Filme: Spür’ wie der Wind sich dreht

Dokumentarfilm | D 1999
Regie, Kamera, Montage: Beate Middeke

Das gewisse Etwas hat er. Sagen Sie. Wie er daher geht - „ mit dem Jackett lässig über der Schulter.“ „Ein Mann mit Charme.“ Schröder und die Frauen:

Die Regiesseurin und Kamerafrau Beate Middeke, ist ihnen dicht gefolgt. Dem schicken Kanzler hat sie sich auf die Fersen geheftet, als der sich - vor Siegessicherheit nur so strotzend, ungebrochenen Mutes, die maßgeschneiderte Garderobe als rhetorikstützende Accessoires ins Gefecht zu werfen -, auf jener Wahlkampftour befand, die letztlich so erfolgreich sein sollte. Schröder, noch ohne Kanzlerwürden, aber in den Augen vieler bereits der strahlende Sieger. Vor allem in den Augen der Frauen, dessen Wohlgefallen er hat erregen können. „ Er sieht einfach gut aus.“ – „ Nicht so dick wie der andere. Der muss endlich weg.“ Politik als Frage der Ästhetik. Wenn nicht gar der Erotik. Da hat der Dicke Pech (gehabt).

Beate Middeke guckt sich diesen Schröder genau an. Ihre Kamera scheint ihn regelrecht zu beschnuppern. Was denn nun dran ist an ihm. Und sie vergleicht genau: Sie hat Dutzende von Frauen befragt; auf Wahlkampfveranstaltungen, auf der Straße, hat markante, zum Teil recht (mutter)witzige Statements eingefangen. Und montiert sie augenzwinkernd mit Studien der (leicht gereiften) One- Man Boy Group Gerhard. Wie er mit seinen Reizen spielt, und wie es scheint, dass seine Argumente stets ein wohl temperiertes Bad in Testosteron genommen haben.

Doch Gerhard wird nicht entblößt. Er ist eben, wie er ist. Das stimmt nachdenklich. Wobei uns die Dokumentation viel Freiraum lässt mit unserem letztendlichen Urteil. Selbst da, wo Gerhards Mutter sich äußert; und sich ihre verbalen Streicheleinheiten für den Sohn, der ihr in so unbegreiflichem Maße über den Kopf gewachsen ist, sich reiben an den backfischhaften Statements der Schwiegertochter, die sich bemüht, verknallt aber nicht blöd zu wirken. Eine Intime Studie, die etwas über den starken Mann aussagt. Über die Erotik von Macht. Und über Frauen.

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