Filme: Wenn die Arbeit Deutschland verlässt

Dokumentarfilm | D 2005
Regie: Enzio Edschmid & Beate Middeke
Drehbuch: Enzio Edschmid
Kamera: Beate Middeke
Montage: Beate Middeke & Enzio Edschmid

Die beiden Filmemacher haben im Frühjahr/Sommer 2004 sechs Wochen lang den Streik der Mitarbeiter des Fahrtreppenherstellers OTIS im Stadthagener Werk mit der Kamera begleitet. Im März des Jahres wurde vom amerikanischen Besitzer UTC (United Technologies Corporation) verkündet, dass das Werk in Stadthagen geschlossen werde und die Produktion aus Kostengründen nach Tschechien verlagert werden soll. Bei einer sehr positiven Auftragslage, schwarzen Zahlen und eingefahrenen Gewinnen ein, nicht nur für die Mitarbeiter, schwer nachvollziehbarer Entschluss.

Die Belegschaft entscheidet sich, nachdem der Entschluss des amerikanischen Konsortiums als unumstößlich gilt, für bessere Abfindungszahlungen und bezahlte Berufsqualifizierende Maßnahmen zu streiken. Ein Streikgrund, der im deutschen Streikrecht bisher keine Entsprechung findet und deswegen für die IG-Metall zum Präzendensfall wird.

„Wenn die Arbeit Deutschland verlässt“ zeichnet jedoch nicht nur die strukturellen Wege nach, welche die Streikenden gehen mussten. Neben den zahlreichen Verhandlungen in der Schlichtungskommission und vor dem Landesarbeitsgericht zeigen die beiden Filmemacher einen Streikalltag, wie er selten in der Berichterstattung der Fernsehnachrichten zu sehen ist.

Mit einer genauen Kameraführung und dem Vertrauen der Streikenden gelingt es Enzio Endschmid und Beate Midddekke nicht nur zu zeigen, welche Konflikte nach außen, gegenüber dem Management bestanden, sondern auch welche Spannungen innerhalb der Belegschaft während des sechswöchigen Streiks auftraten. Solidarität, so lernt man aus dem Film, ist manchmal keine einfache Forderung.

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