Dunkles Puzzle

Posted on Freitag 7 Mai 2010

Anlässlich der Ausstrahlung des Films auf 3sat schreibt Katharina Riehl in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung (vom 20./21. März 2010)  über den Film “Zuletzt befreit mich doch der Tod”:

“25 Jahre alt ist Gwendolin, als sie beschließt, nicht mehr leben zu wollen. Hinterlassen hat sie ein Tagebuch – und eine Menge Wut bei den Menschen, die der jungen Frau in den letzten Jahren ihres Lebens helfen wollten und sie doch nicht retten konnten. Zuletzt befreit mich doch der Tod ist ein Doku-Puzzle, das die Filmemacherin Beate Middeke zusammengesetzt hat: aus Sequenzen des Tagebuchs, aus Gesprächen mit Menschen, die Gwen nahestanden – und mit jenen Menschen, die, wenn man dem Tagebuch der jungen Frau Glauben schenkt, ihr das Weiterleben unmöglich gemacht haben: Gwens Stiefvater, der sie als Kind sexuell missbraucht und an andere Männer verkauft haben soll. Die Mutter, die ihm angeblich dabei half oder ihn zumindest nicht davon abgehalten haben soll. Beide sagen nichts zu den Vorwürfen, schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu.

Auch die Regisseurin kennt die Wahrheit nicht. Die Ermittlungen gegen den Vater waren schon bei drehbeginn eingestellt. Der Film kann das, was geschehen ist, nicht nachvollziehbar ordnen. Beate Middeke will keine Neugier befriedigen; sie lässt die Fragmente, die sich oft widersprechen, nebeneinander stehen. Natürlich fragt man sich, wie ein Mensch aussieht, der so furchtbare Dinge erlebt hat. Doch Gwen bleibt ein Schatten. Kein Foto wird gezeigt; wenn ihr Tagebuch verlesen wird, sieht man das Meer rauschen. Diese Geschichte, die man so leicht hätte reißerisch erzählen können, opfert ihre Hauptfigur nicht der Sensationslust.

‚Ist das Selbstmitleid?’ fragt Gwendolin in einem ihrer Tagebucheinträge. Nein, antwortet sie selbst. ‚Denn nicht mal dafür reicht die Kraft.’”

admin @ 12:42
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